Bundesweites Insektenmonitoring

Schmetterlinge auf einer Blumenwiese

Die Klasse der Insekten ist nicht nur sehr artenreich, sondern mit ihren verschiedenen Eigenschaften und Lebensweisen sind Insekten auch unverzichtbar für unsere Ökosysteme und für das menschliche Leben. In Deutschland kommen über 33.000 Insektenarten vor, Rote Listen und regionale Studien zeigen jedoch einen Rückgang der Artenzahlen und der Häufigkeit vieler Insektenarten. Da aktuell bundesweit repräsentative Langzeitdaten zu Zustand und Veränderungen der Insektenfauna fehlen, wurde das bundesweite Insektenmonitoring entwickelt. Dabei handelt es sich um ein systematisches und regelmäßiges Monitoring mit bundesweit einheitlicher Methodik.

Das Monitoring ist modular aus verschiedenen Erfassungsbausteinen aufgebaut, in denen jeweils bestimmte Artengruppen oder Insektenlebensräume betrachtet werden. Dies ermöglicht eine Erfassung nach einer jeweils abgestimmten, standardisierten Methodik. Aufgrund der großen Artenzahl der Insekten und der teils schwierigen oder zeitlich eingeschränkten Erfassbarkeit, ist eine Beschränkung auf ausgewählte Artengruppen notwendig. Diese Indikatorgruppen sollen möglichst auf die Gesamtheit der Insekten übertragbare Informationen zur Artenvielfalt oder der Qualität von Lebensräumen liefern.

In Rheinland-Pfalz werden derzeit Insekten in zwei Bausteinen erfasst: Tagfalter und Widderchen auf der Landschaftsebene  und Heuschrecken im Grünland. In beiden Bausteinen wird die Flächenkulisse der bundesweit repräsentativen Stichprobenflächen (1 km² Größe) genutzt, auf der ebenfalls das Ökosystem-Monitoring (ÖSM), das Monitoring der Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert (HNV-Farmland-Monitoring) sowie das Monitoring häufiger Brutvögel durchgeführt werden. Dadurch werden übergreifende Datenauswertungen der Monitoringprogramme ermöglicht, da beispielsweise das Ökosystem-Monitoring Grundlagendaten zu Biotop- und Nutzungstypen der Stichprobenflächen liefert. 

Die Kartierungen werden durch das Landesamt für Umwelt ausgeschrieben und koordiniert. Für die länderübergreifende Koordination und Auswertung ist als fachliche Koordinierungsstelle das Bundesamt für Naturschutz (BfN) verantwortlich.

Die Erfassungsanleitung sowie weitergehende Informationen finden sich auf der Webseite des BfN .

Tagfalter und Widderchen auf der Landschaftsebene

Schmetterling, Tagfalter, Grünader-Weißling, Pieris napi an Wiesen-Sablei, Salvia pratensis

In Rheinland-Pfalz kommen nach aktuellem Kenntnisstand 148 Arten der Tagfalter und Widderchen vor (Rote Liste der Großschmetterlinge in Rheinland-Pfalz 2014). Die Erfassung erfolgt im Baustein „Tagfalter und Widderchen auf Landschaftsebene“ auf 60 Stichprobenflächen. Die Stichprobenflächen stellen dabei einen zufälligen Querschnitt durch die Gesamtlandschaft dar.

Auf jeder Stichprobenfläche wird eine Route (Transekt) von 1.500 m Länge festgelegt, die mehrmals im Jahr begangen wird. Das Transekt verläuft auf den vorhandenen Wegen und wird dauerhaft beibehalten. Bei den Begehungen werden alle adulten Tagfalter und Widderchen, die innerhalb eines gedachten „Erfassungsquaders“ um die kartierende Person herum beobachtet werden, punktgenau erfasst. Dies ermöglicht eine exakte Zuordnung zu den im Ökosystem-Monitoring erfassten Biotop- und Nutzungstypen. Die Erhebungsfrequenz beträgt vier Jahre. Da es bei Insekten oft zu ausgeprägten Populationsschwankungen kommt, werden sieben ausgewählte Stichprobenflächen jährlich begangen (Unterstichprobe).

Heuschrecken im Grünland

Heuschrecke auf einem Blatt

In Rheinland-Pfalz kommen nach aktuellem Kenntnisstand 60 Arten aus der Gruppe der Heuschrecken und Fangschrecken vor (Rote Liste und Gesamtartenliste der Geradflügler in Rheinland-Pfalz 2019). Ein Großteil der Heuschrecken besiedelt Offenlandhabitate, die Erfassung im Baustein „Heuschrecken im Grünland“ findet deshalb jährlich auf 12 Grünland-Stichprobenflächen statt.

Innerhalb der Stichprobenflächen wird eine 2.500 m² große Beprobungsfläche festgelegt, die dauerhaft beibehalten wird. Diese Fläche wird jeden Sommer einmalig begangen und Larven und adulte Heuschrecken sowie Fangschrecken mit einer standardisierten Methodik erfasst. Ergänzend werden Daten zur Nutzung des Grünlands und der Vegetation aufgenommen.