Gemeine Winterlibelle ist Libelle des Jahres 2026
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Wer an Libellen denkt, verbindet diese meist mit sommerlichen Tagen am heimischen Gartenteich oder anderen Gewässern. Dies ist dahingehend korrekt, als dass die überwiegende Mehrheit unserer heimischen Libellen nur während der warmen Jahreszeiten als Imago, also als erwachsene Libelle, auftritt. Das restliche Jahr überdauern die Insekten meist im Ei oder Larven-Stadium im Gewässer, um das geringe Nahrungsangebot und die niedrigen Temperaturen zu überstehen.
Eine Ausnahme hiervon bilden die Winterlibellen: Die beiden Vertreter dieser Gattung (Gemeine Winterlibelle und die seltenere Sibirische Winterlibelle) überwintern als erwachsene Tiere in reich strukturierten Vegetationsbeständen. Um darauf aufmerksam zu machen, dass Libellen neben ihren Schlupfgewässern auch auf Landlebensräume angewiesen sind, haben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (GdO) die Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) zur Libelle des Jahres 2026 gekürt.
Erkennungsmerkmale
Das Erscheinungsbild der Gemeinen Winterlibelle ist im Vergleich zu anderen Libellenarten eher unscheinbar. Beide Geschlechter der etwa 34 bis 39 mm langen Kleinlibellenart besitzen eine hellbraune Grundfärbung mit einer dunkelbraunen bis bronzefarbenen torpedoförmigen Zeichnung auf der Oberseite des Hinterleibes. Die braunen Flügelmale (Pterostigmata) der Vorder- und Hinterflügel sind bei geschlossenen Flügeln versetzt angeordnet. Aufgrund ihrer bräunlichen Färbung, die im Laufe des Herbstes dunkler werden kann, sind die Tiere sehr gut an die Überwinterung in trockenen Röhrichten, alten Grasbeständen und Gebüschen angepasst.
Lebensweise und Lebensraum
Wie eingangs bereits beschrieben, zeichnet sich die Libelle des Jahres 2026 durch einen außergewöhnlichen Lebenszyklus aus. Von Juli bis etwa Ende August schlüpfen die erwachsenen Tiere (Imagines). Während andere Libellenarten sich unmittelbar nach der auf den Schlupf folgenden Reifephase fortpflanzen und als Eier oder Larven überwintern, überdauert die Gemeine Winterlibelle die kalte Jahreszeit als Imago. Die Tiere entfernen sich für die Überwinterung teilweise mehrere Kilometer von ihrem Fortpflanzungsgewässer und suchen offene, strukturreiche und sonnenexponierte Lebensräume, wie beispielsweise Wiesen, Wald- und Gebüschsäume oder auch naturnahe Gärten auf. Während längerer Kälteperioden versteckt sich die Gemeine Winterlibelle unter Steinen und Rinde oder schmiegt sich nah am Boden an Pflanzenstängel. An warmen, sonnigen Tagen können die Tiere jedoch durchaus wieder aktiv werden. Ab etwa Ende März begibt sich die Libelle des Jahres 2026 für die Paarung wieder zum Fortpflanzungsgewässer.
Schutzstatus und Verbreitung
Gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz und der Bundesartenschutzverordnung stehen alle in Deutschland heimischen Libellenarten unter besonderem Schutz. Demnach ist es unter anderem verboten sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten sowie ihre Entwicklungsformen zu beschädigen oder zu zerstören (§ 44 BNatSchG).
Die Gemeine Winterlibelle ist im europäischen Mittelmeerraum und in Mitteleuropa weit verbreitet und auch in Deutschland in allen Bundesländern zu finden. In Rheinland-Pfalz zählt sie zu den häufigen Arten. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Pfälzerwald (Haardtgebirge) über das Moseltal bis zum Mittelrheintal. Verbreitungsschwerpunkt ist nach aktuellem Kenntnisstand jedoch das Nördliche Oberrheintiefland.
Um die Übersicht über den Bestand der Art in Rheinland-Pfalz weiter zu verbessern, sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen. Sie haben eine Gemeine Winterlibelle gesehen? Dann melden Sie Ihren Fund gerne beim ArtenFinder: ArtenFinder Service-Portal Rheinland-Pfalz

