Hochwassermeldedienst und Hochwasservorhersagezentrale

Meldedienst zentralisiert

Seit dem 01.12.2019 wird der Hochwassermeldedienst (www.hochwasser.rlp.de) für ganz Rheinland-Pfalz vom Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz durchgeführt. Die dezentralen Hochwassermeldezentren „Mosel“ in Trier und „Nahe-Lahn-Sieg“ in Koblenz wurden mit diesem Datum geschlossen. Dieser Zentralisierung gingen umfangreiche technische Umrüstungen (z.B. Aufbau von zentralen Datenhaltungs- und Berechnungs-Systemen mit erhöhter Ausfallsicherheit) sowie eine organisatorisch-personelle Umstrukturierung voraus. Zudem wurde eine ausfall- und hochwassersichere Hochwasservorhersagezentrale auf dem Lerchenberg in Mainz aufgebaut. Die erste Bewährungsprobe für den zentralisierten Betrieb waren die Hochwasser an Mosel und Nahe Ende 2019 und Anfang 2020.

Das Landesamt war im dezentralen Betrieb bereits zuvor für die Koordinierung und fachtechnische Leitung des Hochwassermeldedienstes zuständig. Zudem waren und sind LfU-Mitarbeiter bei akutem Rhein-Hochwasser im Hochwassermeldezentrum „Rhein“ tätig, das gemeinsam mit der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes betrieben wird. Der Bund hat angekündigt die Verwaltungsvereinbarung mit dem Land Rheinland-Pfalz zum Hochwassermeldedienst am Rhein zu kündigen, da sich die Zuständigkeit nur auf das für den Verkehrsbereich Erforderliche beschränke (d.h. bei Hochwasser maximal bis zum Wasserstand, ab dem die Schifffahrt eingestellt wird = HSW II). Folglich wird auch das Hochwassermeldezentrum „Rhein“ nach Inkrafttreten der Kündigung in seiner derzeitigen Form nicht mehr bestehen. Derzeit bereitet das Landesamt den Einsatz eines Vorhersagemodells für den Rhein vor, um den Hochwassermeldedienst bis zur niederländischen Grenze ab etwa 2022/2023 eigenständig leisten zu können. Die bestehenden Vereinbarungen mit Hessen und Nordrhein-Westfalen werden dementsprechend angepasst.

Migration der IT-Infrastruktur zum Landesbetrieb Daten und Information (LDI)

Voraussetzung für den zentralisierten Betrieb war eine Erhöhung der Ausfallsicherheit und eine Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit der für die Vorhersageberechnung und Hochwassermeldung notwendigen IT-Infrastruktur. Bereits 2015/2016 wurde ein IT-Betriebskonzept aufgestellt, das von 2017-2019 umgesetzt wurde: Die über Jahrzehnte gewachsenen Systeme und Prozesse wurden analysiert und konsolidiert. Zudem wurden beim Landesbetrieb Daten und Information (LDI) zunächst eine Test-Umgebung für den zentralisierten Betrieb aufgebaut und die einzelnen Komponenten schrittweise dorthin migriert. Im Zuge dieser Konsolidierung und Migration konnte beispielsweise die Anzahl der Server von ursprünglich rund 15 auf aktuell fünf reduziert werden.

Seit Anfang 2019 werden alle Server mittels modernster Technologie mit hoher Ausfallsicherheit an zwei verschiedenen LDI-Standorten operationell betrieben. Neben dem Hosting der Server und Datenbanken bietet das LDI einen 24-Stunden/7-Tage-Support und gewährleistet regelmäßige Datensicherungen sowie Sicherheits-Updates für alle Betriebskomponenten.

Die Mitarbeiter des Hochwassermeldedienstes können mittels mobiler Endgeräte (wie Laptops) über das Internet direkt auf den Server beim LDI zugreifen und können somit ortsungebunden den Hochwassermeldedienst durchführen (vgl. Abbildung 3). Bei größeren landesweiten Hochwassern arbeitet das Vorhersage-Team jedoch überwiegend in der Hochwasservorhersagezentrale (HVZ), die mit Multi-Monitoren und Headset-Telefonen für diese Einsätze ausgestattet wurde.

Hintergrund und Veranlassung der Zentralisierung

Das Land Rheinland-Pfalz betreibt seit 1986 einen Hochwassermeldedienst für die rheinland-pfälzischen Flüsse Mosel, Lahn, Nahe, Glan, Sieg und Sauer sowie den Rhein von der Neckarmündung bis zur niederländischen Staatsgrenze. Seit 2008 werden auch für kleine Flüsse regionsbezogene Hochwassermeldungen erstellt. Über die Jahrzehnte wurde der Hochwassermeldedienst aufgrund neuer Erkenntnisse und veränderter Anforderungen mehrfach modifiziert und weiterentwickelt. Eine nach dem Hochwasser 2013 durch die Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) initiierte bundesweite Analyse zeigte Potentiale im rheinland-pfälzischen Hochwassermeldedienst auf. Diese betrafen sowohl die technische Ausfallsicherheit wie auch die personellen Ausstattung. Infolgedessen wurden 2014 Maßnahmen eingeleitet, um die betriebliche Ausfallsicherheit weiter zu erhöhen. Daneben wurde ein Gesamtkonzept für einen zukunftsfähigen Hochwassermeldedienst erstellt.

In diesem Gesamtkonzept wurde aufgezeigt, dass die fortschreitende, immer aufwändigere technologische Entwicklung und die gleichzeitig notwendige Ressourcenschonung eine Zentralisierung des rheinland-pfälzischen Hochwassermeldedienstes erforderlich macht. Ein im Landesamt zentralisiertes Vorhersage-Team kann umfangreiches Expertenwissen über die immer komplexer werdenden Vorhersagesysteme konzentrieren. Darüber hinaus kann das Team aufgrund häufigerer Einsätze und zielgerichteter Schulungen schneller und flexibler zur Weiterentwicklung der Programme und Abläufe beitragen.

Länder sind zuständig

Mündung der Mosel in den Rhein
Hochwasser am Deutschen Eck in Koblenz

Der Hochwassermeldedienst warnt vor Wassergefahren. Im Rahmen der Verhaltensvorsorge ist er Teil einer weitergehenden Hochwasservorsorge, die neben der natürlichen Hochwasserrückhaltung und dem technischen Hochwasserschutz ein wirkungsvolles Vorsorgeinstrument zur Begrenzung von Hochwasserschäden ist.

In der Bundesrepublik Deutschland fällt die Regelung des Hochwassermeldedienstes in die Zuständigkeit der Länder. Zur inhaltlichen Konkretisierung wurde in Rheinland-Pfalz 1986 eine Hochwassermeldeverordnung erlassen, die den Hochwassermeldedienst für Rhein, Mosel, Saar, Sauer, Our, Nahe, Lahn und Sieg regelt. An den Bundeswasserstraßen Rhein, Mosel, Saar und Lahn wirkt die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes beim Hochwassermeldedienst mit.

Der Hochwassermeldedienst umfasst das Beobachten der Niederschläge, Wasserstände und Abflüsse in den Einzugsgebieten, für die ein Meldedienst besteht. Diese Beobachtungen werden zu Hochwassermeldungen ausgewertet und in Form von aktuellen Wasserständen und Hochwasservorhersagen nach festgelegten Meldeplänen weitergegeben. Die Weitergabe der Meldungen erfolgt auf der Verwaltungsebene durch tägliche Lageberichte an die für den Katastrophenschutz zuständigen Kreis- und Gemeindemeldestellen, die wiederum nach örtlichen Warnplänen die Bevölkerung ihres Gebietes warnen und die notwendigen Schutzmaßnahmen durchführen.  Hochwassermeldungen werden zudem auf vielen Wegen direkt an die Betroffenen vor Ort verbreitet. Für die stündliche Aktualisierung der Wasserstände und Hochwasservorhersagen mehrmals am Tag werden Rundfunk, Videotext im Fernsehen und Internet genutzt.

Ansprechpartner

Referat Hydrometeorologie, Hochwassermeldedienst

Dr. Margret Johst
Telefon: 06131/6033-1714
E-Mail: Margret.Johst(at)lfu.rlp.de

Norbert.Demuth
Telefon: 06131/6033-1710
E-Mail: Norbert.Demuth(at)lfu.rlp.de

Grafik der Standorte
Standorte des Hochwassermeldedienstes (Vorhersage- und Meldesysteme beim LDI; Arbeitsumgebungen für unterschiedliche Situationen)
Grafik der digitalen Infrastruktur
Serverlandschaft und Datenflüsse des Hochwassermeldedienstes beim Landesbetrieb Daten und Information
Uferbereich ist überflutet
Hochwasser an der Nahe in Bad Kreuznach am 04.02.2020