Die Violette Ständelwurz ist Orchidee des Jahres 2026
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Jedes Jahr wird von den Arbeitskreisen Heimische Orchideen Deutschlands (AHO) die Orchidee des Jahres gekürt, um auf die Schönheit aber auch vor allem auf die Bedrohung bestimmter Arten aufmerksam zu machen. Dieses Jahr fiel die Wahl auf eine eher unscheinbare und seltene Waldart – die Violette Ständelwurz (Epipactis purpurata). Bei der Gefährdung spielt unter anderem die Veränderung ihrer Lebensräume eine entscheidende Rolle. Jedoch fehlen vielerorts aktuelle Nachweise, um die Bestandssituation sicher bewerten zu können.
Erkennungsmerkmale
Die Violette Ständelwurz erreicht eine Höhe von etwa 25-30, manchmal aber auch bis zu 80 Zentimetern. Am Stängel befinden sich 4-10 blaugrüne, schmale und längliche Blätter, die 5-8 cm in der Länge und circa 3 cm in der Breite messen und spiralig angeordnet sind. Auffällig sind ihre violett bis purpurfarben überlaufenen Stängel, Blätter und zum Teil auch Blüten, die der Pflanze ihren Namen geben. Im Gegensatz zu vielen heimischen Orchideen blüht die Violette Ständelwurz relativ spät. Erst zwischen Ende Juli und Ende August erscheinen zahlreiche grünlich-weiße bis leicht rosafarbene Blüten, die in einer dichten aufrechten Traube angeordnet sind.
Eine Verwechslung ist insbesondere mit nah verwandten Arten wie der Breitblättrigen Ständelwurz (Epipactis helleborine) möglich. Entscheidende Unterscheidungsmerkmale sind vor allem die insgesamt dunkler gefärbten Blüten sowie der violett gefärbte Stängel.
Lebensweise und Lebensraum
Bevorzugt besiedelt die Violette Ständelwurz schattige Eichen-Hainbuchenwälder auf kalkreichen Böden. Daneben kommt sie auch in Mischwäldern und Fichtenforsten vor. Besonders wichtig ist eine konstant hohe Luftfeuchtigkeit, weshalb sie sich häufig in der Nähe von Bachläufen und Waldtümpeln ansiedelt. Wie für heimische Orchideen typisch, lebt die Art in enger Symbiose mit speziellen Bodenpilzen. Diese sogenannten Mykorrhiza-Pilze unterstützen die Orchidee bei der Aufnahme von Wasser und Nährstoffen.
Die erste Blüte erfolgt meist erst nach 5–10 Jahren. Bestäubt wird die Violette Ständelwurz vor allem durch Wespen. Dabei spielt ein Täuschmanöver eine wichtige Rolle: Durch ihren Duft erweckt die Blüte den Eindruck, von Raupen befallen zu sein. Die angelockten Wespen werden zwar nicht mit Raupen, dafür aber mit süßem Nektar belohnt. Die Samenreife beginnt im Oktober, anschließend werden die Samen durch den Wind ausgebreitet.
Schutzstatus, Gefährdung und Verbreitung
Nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) zählt die Violette Ständelwurz zu den streng geschützten Arten. Damit ist es verboten, die Art zu entnehmen oder zu nutzen sowie ihren Lebensraum zu zerstören (§ 44 BNatSchG).
In Rheinland-Pfalz wird die Art in der Kategorie „G“ (Gefährdung unbekannten Ausmaßes) geführt. Sie gilt damit als potenziell gefährdet, wobei die vorhandenen Daten keine genaue Einschätzung des Gefährdungsgrades ermöglichen (Rote Listen Rheinland-Pfalz). Ein Grund dafür ist, dass viele Nachweise bereits länger zurückliegen und nicht bekannt ist, ob die damaligen Vorkommen noch bestehen.
Zu den größten Gefährdungen zählen die Zerstörung oder Veränderung ihrer Lebensräume durch intensive forstliche Nutzung, Bodenverdichtung, Klimawandel sowie Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft und der Luft. Da Orchideen empfindlich auf Veränderungen ihres Lebensraums reagieren, gelten sie als wichtige Zeigerarten für naturnahe Wälder.
In Deutschland kommt die Violette Ständelwurz vor allem in den Mittelgebirgen sowie in kalkreichen Regionen Süd- und Mitteldeutschlands vor. In Rheinland-Pfalz wächst sie insbesondere in den kalkreichen Buchenwäldern der Eifel, des Mosel- und Nahetals, des Hunsrücks, des Mittelrheingebiets sowie stellenweise im Pfälzerwald. Die Art tritt meist nur in kleinen, verstreuten Beständen auf und ist auf den Erhalt naturnaher Waldstandorte und eine schonende forstwirtschaftliche Nutzung angewiesen. Statt Kahlschlägen sollte die behutsame Entnahme von Einzelbäumen als Maßnahme vorgezogen werden.
Wie schon eingangs erwähnt fehlt es an aktuellen Nachweisen dieser Orchideenart. Um die Übersicht über den Bestand der Art in Rheinland-Pfalz zu verbessern, sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen! Sie haben eine Violette Ständelwurz gesehen? Dann melden Sie Ihren Fund gerne beim ArtenFinder.

