Naturschutzgroßprojekte
Hier finden Sie Informationen über die Bedeutung von Naturschutzgroßprojekten sowie über entsprechende Entwicklungs- und Erprobungsvorhaben.
Naturschutzgroßprojekte dienen dem Erhalt kulturhistorisch gewachsener Lebensräume sowie Landschaften und dem hieraus entstandenen Artenspektrum. Daneben dienen sie dazu, der Natur Raum und Zeit zu geben, um sich selbst und möglichst frei entwickeln zu können. Dies bedeutet: Fische wieder frei durch Bäche "wandern" lassen, eine vielfältige Landschaft mit alten ökologisch wertvollen Hangterrassen mit geringem Aufwand erhalten, weiterhin Wiesen und Weiden auf ertragsarmen Böden nutzen, Wälder ohne einzugreifen alt und wieder jung werden lassen oder Wiedervernässung seltener Moorlandschaften zulassen bzw. ermöglichen.
Hierzu zählen Naturschutzgroßprojekte des Bundes mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung, Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben des Bundes, regionale Naturschutzprojekte und Maßnahmen im Zusammenhang mit Großschutzgebieten.
Wir initiieren und begleiten diese Projekte und beraten deren Akteure. Ein weiterer wichtiger Bestandteil unserer Aufgaben ist die Evaluierung, d. h. die fachgerechte Bewertung der Projekte.
Das Hauptziel der Naturschutzgroßprojekte ist der Schutz der Kulturlandschaft mit ihrem großen Facettenreichtum.Die Wechselwirkungen zwischen Natur und menschlichem Handeln wirken sich auf große Räume aus. Naturschutz zielt daher nicht nur auf einzelne Tiere, Pflanzen und Lebensräume oder Aktivitäten, sondern auch auf Landschaften, die Kulturlandschaft als Ganzes. Die Spanne reicht von intensiv genutzten über traditionell genutzten bis hin zu den wenigen "wilden" Teilen, die in unsere Kulturlandschaft eingebettet sind. Mit dieser Bandbreite und ihren Facetten beschäftigen sich die verschiedenen Naturschutzgroßprojekte in Rheinland-Pfalz.
Naturschutzgroßprojekte verfolgen Ziele des Arten- und Biotopschutzes in großen Landschaftsausschnitten. Sie sind eng mit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten der jeweiligen Projektregion verknüpft. Es werden Lösungen für komplexe Aufgaben erarbeitet, die aber auch weit über die Facette "Arten- und Biotopschutz" hinausreichen. Beteiligt sind immer die Menschen, die vor Ort leben und arbeiten. Ihr gemeinsames Handeln für den Naturschutz dient nicht nur dem Nutzen des Einzelnen sondern auch der gesamten Region. Die Kommunikation zwischen allen Beteiligten und Betroffenen spielt eine große Rolle. Naturschutzgroßprojekte bieten sich hierfür als Plattform an. Im Sinne des Gedankens nachhaltiger Entwicklung wird ein ausgewogenes Miteinander von Natur, Nutzung und Mensch gesucht, das auch den natürlichen Schätzen unserer Kulturlandschaft Zeit und Raum für die Zukunft bietet. Naturschutzgroßprojekte setzen dies modellhaft um. Sie helfen außerdem, bei der örtlichen Bevölkerung durch Naturerlebnis wieder mehr Identifikation mit ihrer natürlichen Umgebung, ihrer "Heimat", wachsen zu lassen. Hierin sehen wir eine entscheidende Voraussetzung für tatsächlich nachhaltige, langfristig tragfähige Lösungen.
Aufgabenverteilung und Projektziele
Die Organisation der Projekte ist von den unterschiedlichen Zweckbestimmungen und verfolgten Zielen, also Aufgabenstellungen, abhängig. So werden beispielsweise bei Naturschutzgroßprojekten von gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung des Bundes und beim Nationalen Naturerbe große Landschaftsausschnitte geschützt. Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben des Bundes hingegen dienen der Erarbeitung und Optimierung geeigneter und übertragbarer Maßnahmen. Die Europäische Union fördert Projekte, um die Umsetzung gemeinschaftlicher Ziele im Bereich Naturschutz zu unterstützen und das Biosphärenreservat Pfälzerwald Nordvogesen leistet einen Beitrag zum Weltnetz der MAB-Biosphärenreservate der UNESCO.
Vorteile für die Regionen
Jedes Naturschutzgroßprojekt hat ein eigenes Profil, jedes leistet einen spezifischen Beitrag zum Naturschutz in Rheinland-Pfalz und teilweise darüber hinaus. Dies gilt zum Beispiel für Projekte zum Schutz von Lebensraumtypen wie Trockenhänge, Wälder, Bäche und Flüsse, für Wiesen und Weiden. Hiervon profitieren können aber auch ganze Regionen, wie zum Beispiel das Ruwertal im Hunsrück, das Ourtal, das Mittelrheintal, der Pfälzerwald und andere Gebiete. Häufig besitzen Naturschutzgroßprojekte Modellcharakter für andere Regionen. Die Beteiligten bekommen Gelegenheit, neue Lösungswege und Partnerschaften zu finden oder zum Beispiel bewährtes Vorgehen abzusichern, und erhalten hierzu eine Starthilfe. Die Träger, wie z. B. Kommunen oder Landkreise, gewinnen durch ihr Engagement in Sachen Naturschutz Vorteile im Wettbewerb der Regionen.
Gemeinsame Wege finden
Naturschutzgroßprojekte erfordern neue Akteurs-Konstellationen und setzen komplexe Organisations- und Arbeitsmöglichkeiten voraus. Zu diesem Zweck bedürfen vorhandene Strukturen besonderer Unterstützung. In der Regel erhalten Naturschutzgroßprojekte wegen ihrer bundesweiten und landesweiten Bedeutung eine den Aufgaben angepasste umfangreiche finanzielle Förderung durch das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität Rheinland-Pfalz und den Bund. Naturschutzgroßprojekte liefern wichtige Beiträge zur Umsetzung der Naturschutzstrategie des Landes.
Unsere Unterstützung der Projekte
Wir unterstützen diese Projekte und die an ihnen beteiligten Institutionen. Dabei erkennen wir die Besonderheiten jedes Naturschutzgroßprojektes an und setzen naturschutzfachliche Impulse. Wir beraten und begleiten bei der Antragstellung, der Konzeption und der Durchführung der Naturschutzgroßprojekte. Wir fördern den Transfer von Erfahrungen und Knowhow zwischen den Projekten und die Kommunikation innerhalb der Naturschutzgroßprojekte. Neue und innovative Lösungen sind nicht nur erwünscht, sondern werden aktiv unterstützt. Der Bedarf an neuen Lösungsansätzen liegt in der Natur der Sache. Denn mit den sich immer wieder verändernden Bedingungen für Natur und Landschaft, müssen auch immer wieder neue Lösungen gefunden werden. Die Umsetzung des europäischen Netzwerkes NATURA 2000 oder zum bundesweiten Biotopverbund wird in die Naturschutzgroßprojekte integriert. Gelungenen Projekten kommt somit Vorbildcharakter zu.
Weitere Links:
Die Vorhaben des Bundes gliedern sich in die beiden Bereiche
- Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben sowie
- Nationalerbe
Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben
In Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben werden die bisherigen Konzepte und Maßnahmen des Naturschutzes weiterentwickelt und an aktuelle Anforderungen angepasst. Zusätzlich werden neuartige Methoden entwickelt und auf ihre Eignung hin erprobt. Die Ausgangsbedingungen der Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben sind repräsentativ und ihre Ergebnisse übertragbar auf vergleichbare Fälle in anderen Regionen.
Herausforderungen begegnen
Insbesondere der rasch ablaufende Landschaftswandel stellt immer wieder neue Herausforderungen an den Naturschutz. So führt der Rückzug der landwirtschaftlichen Nutzung von ertragsarmen Standorten häufig zu erheblichen Problemen für die Tier- und Pflanzenarten bzw. deren Lebensgemeinschaften, die von einer entsprechenden Nutzung abhängen. Zusammen mit den Landnutzern, den kommunalen Akteuren und der Bevölkerung werden langfristig tragfähige Instrumente entwickelt, die es dem Naturschutz ermöglichen, die Veränderungsprozesse in der Landschaft unter Gesichtspunkten des Naturschutzes mitzugestalten. Wir begleiten diese Vorhaben. Gefördert werden die Projekte durch das Bundesumweltministerium über das Bundesamt für Naturschutz und in Rheinland-Pfalz mit Unterstützung durch das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität.
Ein Beispiel in Rheinland-Pfalz
In Rheinland-Pfalz fand von 2001 bis 2005 das "E+E-Vorhaben Mittelrhein - Nachhaltige Entwicklung xerothermer Hanglagen" statt. Träger dieses Vorhabens war die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie e.V. (GNOR). Projektförderer waren das Bundesamt für Naturschutz, das Land Rheinland-Pfalz, der Landkreis Neuwied sowie der Projektträger. Weitere Projektpartner waren die Universität Mainz, die Universität Regensburg, die Stadt Boppard, der Rhein-Lahn-Kreis und der Rhein-Hunsrück-Kreis. Das Finanzvolumen betrug rund 2,7 Mio. Euro. Hierbei standen Methoden und Verfahren im Mittelpunkt, mit denen die offenen Hangbereiche des Mittelrheintales mit den charakteristischen Terrassen und den wärmeliebenden Tier- und Pflanzenarten dauerhaft und kostengünstig gesichert werden können. Das E+E-Vorhaben leistet damit einen wertvollen Beitrag zum Erhalt des Mittelrheintales als UNESCO-Weltkulturerbe.
Kontrollierter Einsatz von Feuer, der Einsatz von Panzerketten, die halbwilde Beweidung, Hütehaltung von Schafen und Ziegen und die Re-Etablierung und Unterstützung traditionellen Wein- und Obstbaus wurden auf ihre Eignung hin überprüft. Die Maßnahmen werden in die Naturschutzpraxis übertragen. Dabei wird die örtliche Bevölkerung einbezogen und darauf geachtet, dass Naturschutzziele in die regionalen und lokalen Nutzungssysteme integriert werden.
Die Rahmenbedingungen des Vorhabens wurden durch eine umfangreiche Voruntersuchung vorab geklärt und praktische Maßnahmen innerhalb des laufenden Hauptvorhabens erprobt. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Begleitung des Vorhabens wurden die Erkenntnisse gründlich analysiert und Schlüsse bezüglich der Übertragbarkeit gezogen. Das Ergebnis der wissenschaftlichen Begleitung finden Sie unter Veröffentlichungen auf der Homepage des BfN (Schriftenreihe „Naturschutz und biologische Vielfalt, Heft 121).
Mehr zum Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben Mittelrhein, zu den Inhalten, den Beteiligten und den Ergebnissen finden Sie im entsprechenden Themenbereich auf der Homepage der GNOR.
Mehr Informationen zu den Förderbedingungen und den Inhalten des Förderprogramms bietet das Bundesamt für Naturschutz.
Nationales Naturerbe
Naturschutzgroßprojekte mit gesamtstaatlicher repräsentativer Bedeutung, d. h. über die Grenzen von Rheinland-Pfalz hinaus, dienen der Förderung beim Schutz großflächiger natürlicher bzw. naturnaher Landschaftsteile zum Erhalt des nationalen Naturerbes sowie zum Erhalt der natürlichen Vielfalt. Das Bundesumweltministerium unterstützt durch das Bundesamt für Naturschutz seit 1979 zusammen mit den Bundesländern über das Förderprogramm „chance.natur – Bundesförderung Naturschutz“ den Schutz besonders wertvoller und großräumiger Landschaftsbereiche in Deutschland. Seit 1979 wurden in Deutschland insgesamt mehr als 75 Naturschutzgroßprojekte (in Rheinland-Pfalz fünf abgeschlossene und zwei laufende Projekte) mit einer Gesamtfläche von mehr als 3.500 Quadratkilometern in die Förderung aufgenommen. Im Jahr 1989 wurde der Förderbereich durch das Gewässerrandstreifenprogramm erweitert. Dieses ist 2008 im Gesamtprogramm aufgegangen.
Vielfalt des Handelns für die Vielfalt der Natur
Durch die Förderung beim Schutz großflächiger natürlicher bzw. naturnaher Landschaftsteile werden Maßnahmen ermöglicht, die in der Regel sonst nicht finanziert werden könnten. Hierbei kann es beispielsweise um die Moderation von Naturschutzzielen, den Ankauf und die Sicherung von Grundstücken zu Naturschutzzwecken oder auch Lösungen zu deren langfristig tragfähigen Pflege und Nutzung gehen; ebenso um partizipative Planungen oder auch um neuartige Maßnahmen, die die Regionen und ihre Naturschutzleistungen in den Mittelpunkt stellen. Naturschutzgroßprojekte müssen sich den aktuellen sowie den zukünftigen Problemen stellen, die der Landschaftswandel und die Veränderungen der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen mit sich bringen.
Vorrangiges Ziel des Förderprogramms ist es, die Kerngebiete der Projektflächen bis zum Ende der jeweiligen Projektlaufzeit als Naturschutzgebiete (NSG) zu sichern, um ihnen einen rechtlich verbindlichen Schutzstatus zu verleihen. Alternative Instrumente und Schutzgebietskategorien können, soweit diese gleichwertig geeignet sind, auch vorgesehen werden. Insgesamt soll eine dauerhafte und großflächige Sicherung der Gebiete und derer Schutzziele sowie der erforderlichen Maßnahmen zum Erhalt der Gebiete gewährleistet sein.
Aktuelle Informationen zur Förderung von gesamtstaatlich repräsentativen Vorhaben und zur Ausarbeitung der Antragsunterlagen finden Sie auf der Homepage des Bundesamtes für Naturschutz.
Das "Ruwer-Projekt" – ein Beispiel in Rheinland-Pfalz
Im erfolgreichen "Ruwer-Projekt" gelang es zum Beispiel, zahlreiche Querbauwerke zwischen Quelle und Mündung umzubauen und somit die Ruwer wieder durchgängig für die Lebewelt dieses Mittelgebirgsbaches zu entwickeln. Projektträger war der Kreis Trier-Saarburg, die Stadt Trier, die Verbandsgemeinde Kell und die Verbandsgemeinde Ruwer. Das Finanzvolumen betrug rund 6,8 Mio. Euro. Weitere Informationen zum Naturschutzgroßprojekt "Gewässerrandstreifen Ruwer und Nebenbäche" finden Sie auf der Homepage des Bundesamtes für Naturschutz.
Naturschutzgroßprojekte stellen eine wertvolle Ergänzung der dem Naturschutz zur Verfügung stehenden Instrumente in Rheinland-Pfalz dar. Durch die Größe ihrer Projekträume und das Volumen der jeweiligen finanziellen Förderung gelingt es, auf großer Fläche Ziele der Naturschutzverwaltung erfolgreich in die Prozesse der Landschaftsentwicklung zu integrieren. Hierbei setzen wir naturschutzfachliche Impulse.
Landschaft im Wandel
Die Auswirkungen der gesellschaftlichen Entwicklung und insbesondere zunehmend globalisierter Märkte führen zu geänderten Rahmenbedingungen für die Landnutzung. Umfang und Art der Flächenbewirtschaftung bzw. -nutzung sind oft abhängig von der jeweils aktuell geltenden Förder- bzw. Subventionskultur. So wurden beispielsweise bis vor kurzem aus der Bewirtschaftung genommene Flächen (meist ertragsarme Standorte) von der EU subventioniert. Heutzutage jedoch, zu Zeiten der Fokussierung auf regenerative Energien, werden möglichst viele Flächen, z. B. für den Anbau von Maiskulturen zur Nutzung in Biogasanlagen, in Anspruch genommen. Somit erleben wir aktuell einen Wandel von „teilweise ungenutzten, stillgelegten Flächen“ zu „großflächigen und intensiv genutzten Monokulturen“. Anders ist es jedoch beim Umgang mit Flächen in Bereichen großer Binnenfließgewässer. Speziell in Rheinland-Pfalz sind die Auen- und Täler-Landschaften der großen Flüsse stark geprägt durch Weinanbau. Insbesondere die Steilhanglagen in den Tälern werden aufgrund des relativ hohen Aufwandes bei der Bewirtschaftung aufgegeben. All dies hat natürlich Folgen für unsere Kulturlandschaft und den Umgang mit ihr. Auf der einen Seite geraten empfindliche bzw. von extensiver Nutzung abhängige Arten und Lebensgemeinschaften in Gebieten mit ungünstigen Standortbedingungen für die Landwirtschaft durch Nutzungsaufgabe oder -änderung unter Druck. Auf der anderen Seite wird die Landnutzung intensiviert, was dort zu wachsendem Druck für die verbliebenen Lebensräume sowie natürlichen und naturnahen Landschaftselemente führt.
Optionen anbieten
In Naturschutzgroßprojekten werden erforderliche Naturschutzmaßnahmen, wo immer dies möglich ist, in nachhaltige Lösungen der Landnutzung eingebunden. Hierfür sucht der Naturschutz Partner. Während der Projektlaufzeit werden gemeinsam Wege entwickelt, die langfristig mit möglichst wenig externen Mitteln erfolgreich sind. Mit Hilfe von Fördermitteln können notwendige Angebote für Initialmaßnahmen unterstützt und Kooperationen weiterentwickelt werden. Besonders Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben des Bundes liefern hierzu eine ganze Palette von Methoden und zeigen deren jeweiliges Einsatzspektrum auf. Diese Erkenntnisse können dann über die Projektlaufzeit hinaus und auch in anderen Regionen flexibel angewendet werden, je nach Aufgabenstellung und Rahmenbedingungen. Hinzu kommt, dass in derartigen Projekten auf dem aktuellen Stand der Technik gearbeitet werden kann. Dies trägt dazu bei, modellhafte Innovationen für den "Normalfall" übertragbar zu gestalten.
Ganz besonders gilt dies für aktuelle Perspektiven bei der Offenhaltung, gerade für die Erhaltung der Wiesen und Weiden unserer Mittelgebirgslandschaften. Daher werden neuartige Methoden demonstriert und zur Verfügung gestellt, wie z. B. das kontrollierte Brennen oder die halbwilde Weidehaltung am Mittelrhein, aber auch Erkenntnisse der bundesweiten oder europäischen wissenschaftlichen Diskussion in die verschiedenen Projektkonzeptionen eingebracht. Mit Blick auf die langfristige Sicherung der biologischen Vielfalt steuert der Naturschutz fachliche Ziele bei, die eine Möglichkeit der Landschaftsentwicklung darstellen. Die flächendeckende Planung vernetzter Biotopsysteme stellt hierzu in Rheinland-Pfalz transparent Ziele vor, als ein Angebot an alle, die Landschaft gestalten, den Arten- und Biotopschutz in ihre Vorhaben zu integrieren. Diese Planung ist Teil eines grenzüberschreitenden bundesweiten Biotopverbunds.
Wenn sich die Prognosen zum Landschaftswandel der nächsten Jahrzehnte bestätigen, stehen jedoch Veränderungen in sehr großen Teilen unserer Landschaften bevor. Hierzu bedarf es angemessener Konzepte. So stehen aktuell "halboffene Weidelandschaften" oder die "neue Wildnis" als Vorschläge für die Landschaft der Zukunft in der fachlichen Diskussion.
"Neue Wildnis"
Zunehmend werden "Wildnisflächen" als ein kleiner, aber berechtigter Teil unserer Kulturlandschaft verstanden. Gemeint sind damit "unbewirtschaftete" Gebiete. So zum Beispiel die Kernzonen des Naturparks Pfälzerwald, des deutschen Teils des grenzüberschreitenden Biosphärenreservates Pfälzerwald Nordvogesen. Geeignete Wälder, besonders naturnahe Wälder, werden hierbei der natürlichen Entwicklung überlassen. Die Lebensgemeinschaften können dabei wachsen und reifen, aber auch zerfallen und neu entstehen. Aber auch die Wiederentwicklung von Fluss- und Bachauen ist ein Schritt zur Entwicklung einer "neuen Wildnis".
"Neue Kulturlandschaft" und "Halboffene Weidelandschaften"
Außerhalb des Waldes entwickeln sich auf Flächen, die bis vor kurzem noch landwirtschaftlich genutzt waren, nach einer Aufgabe der konventionellen Bewirtschaftung Brachen. Aufkommende Gehölze verändern die Gestalt der Landschaft. Für derartige Flächen werden neuartige Konzepte erarbeitet. Zum Beispiel die Umsetzung "halboffener Weidelandschaften". In ihnen spielen große Weidegänger, wie Pferde oder Rinder, eine wichtige Rolle. Durch sie entwickeln sich die beweideten Flächen sehr abwechslungsreich, zum Beispiel mit einem großen Anteil an Gehölzen und nassen oder mageren Standorten.
Denkanstöße hierzu sind "nutzungsorientierte Konzepte" zur Erhaltung der Kulturlandschaft oder eine "halbwilde Weidehaltung". In diesen Systemen werden die ursprünglichen Faktoren der Landschaftsgestaltung ersetzt oder erhalten. Geschieht dies auf großen Flächen, finden gefährdete Arten Lebensräume in Landschaftsteilen, die sich sehr dynamisch verändern.
Das Grundprinzip der Umsetzung und Realisierung von Naturschutzgroßprojekten in gewachsenen Landschaftsstrukturen und durch bestimmte Nutzungen geprägten Lebensräumen ist "Bewährtes aufgreifen und durch Neues ergänzen".
Naturschutzgroßprojekte finden immer in Regionen statt, die gewachsene und häufig bewährte Strukturen besitzen. Gerade in den Bereichen der Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft und anderer Nutzungen gibt es tradierte Erfahrungen und aktuelle Kenntnisse zur Bewirtschaftung der Landschaft. Mit ihrer Zielsetzung treten Naturschutzgroßprojekte als neuer Akteur hinzu. Um hierbei ein konstruktives Miteinander aller Akteure entstehen zu lassen, wird bereits im Vorfeld ausreichend Raum für Information und Kommunikation geboten.
Begleitung
Erste Konzepte eines Naturschutzgroßprojektes ändern sich während dieser Vorphase häufig. In gegenseitigem Verständnis für die wirtschaftlichen Anforderungen der Projektregion und die naturschutzfachlichen Erfordernisse werden Lösungswege ausgelotet und danach realisiert. Wir begleiten diese Prozesse und bringen überregionale Naturschutzziele ein.
Zusammenwachsen durch gute Erfahrungen
In der Praxis wird jedes Naturschutzgroßprojekt durch eine Arbeitsgruppe bzw. einen Projektbeirat begleitet. Ergänzend zu den Projektbüros bzw. Geschäftsführungen dienen diese Gremien als Plattformen zur Information, Beteiligung, Qualifizierung und Akzeptanzförderung. Wie die Erfahrungen zeigen, "wächst" gerade in diesen Gruppen das betreffende Projekt "zusammen". Wir unterstützen diese Prozesse und bringen hier Erfahrungen und die Daten unseres Hauses ein.
Voneinander und von der Natur lernen
Kernpunkt unseres Engagements in Naturschutzgroßprojekten ist jedoch die Erfahrung und Kreativität der regionalen Akteure bei der Entwicklung von Chancen für eine naturverträgliche Nutzung der Landschaft. Naturschutzgroßprojekte dienen allen Beteiligten als Lernorte, machen Mut, liefern Anregungen und bieten die Möglichkeit "über den Tellerrand hinauszuschauen" und so zu einem zukunftsfähigen Umgang mit unserer Kulturlandschaft beizutragen.