Vertragsnaturschutz in den Medien (2001 bis 2003)

Die Präsentationstermine der letzten Jahre haben Naturschutzthemen immer wieder auf die Tagesordnung der regionalen Presse und der Kommunalpolitik gesetzt. Naturschutz hat sich dabei als offener, aber selbstbewusster Dialogpartner verstanden und ist als verantwortungsbewusster Partner bei der Gestaltung einer zukunftsfähigen Kulturlandschaft anerkannt. Dialogbereitschaft, Zukunftsfähigkeit, Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit wurden konkret erfahrbar und nachvollziehbar. So wurde ein wirkungsvoller Beitrag zur Umsetzung des Leitbildes der Landespflegeverwaltung geleistet.

Die Wiedauen

Biotopvernetzung schaffen: Nachhaltige Wiesennutzung und Anlage von Streuobstwiesen in den Wiedauen

Die erste Veranstaltung des Jahres 2001 fand am 15. Mai in Ingelbach, Landkreis Altenkirchen, statt. Hier betreut Herr Weisenfeld als PAULa-Berater und Biotopbetreuer das seit 1988 ausgewiesene Naturschutzgebiet (NSG) "In der Rommerswiese". Er organisiert und leitet die Maßnahmen, die zur Erhaltung der naturnahen Auenbereiche und Fließgewässerabschnitte der Wied notwendig sind. Die Offenlandbereiche im NSG wurden bis vor kurzem noch im Rahmen der konventionellen Landwirtschaft genutzt. Um Eisvogel und Neuntöter ein Überleben und ein Ausbreiten zu ermöglichen, werden mittlerweile durch den Einsatz des Biologen alle Grünlandparzellen in den Extensivierungsprogrammen des Förderprogramms Umweltschonende Landbewirtschaftung (FUL) oder im Rahmen der Biotopbetreuung bewirtschaftet. Die an der Präsentation beteiligten Personen konnten sich vor Ort überzeugen, dass sich die Flächen durch die enge Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft zu artenreichen Feucht- und Streuwiesen entwickelt haben und einen wertvollen Beitrag zur Biotopvernetzung in der Wiedaue leisten.Herr Dr. Rother nannte den Termin einen "konspirativen Treff", den er dazu nutzte, die Marketingprobleme des Naturschutzes abzubauen und das Leitbild der Nachhaltigkeit stärker zu verankern. Zum Verhältnis Landwirtschaft und Naturschutz bekannte er: "Wir sind Brüder auf einem Ast, ackern auf einem Feld". Ein mit der Grünlandpflege im NSG betrauter Landwirt forderte dazu auf, die landwirtschaftlichen Betriebe nicht als Auslaufmodell zu betrachten und ihnen die Chance zu geben, im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig bleiben zu können. Herr Landrat Dr. Beth bekannte, dass in der Naturschutzpolitik ein Stück Nachhaltigkeit fehlt und vermisste eine Vision für die Region.

Die von der Bürgerinitiative Ingelbach angelegte Streuobstwiese stellte den Rahmen für die angeregte Diskussion dar, die anschließend im Bürgerhaus zu weiteren aktuellen Naturschutzthemen fortgeführt wurde.

Das Mittlere Ourtal

Schönheit der Natur sichern: Vertragsnaturschutz und Biotopbetreuung im Mittleren Ourtal

Der Pressetermin am 5. Juni 2001 führte in das NSG "Mittleres Ourtal zwischen Dreiländereck und Rellesmühle" im Landkreis Bitburg-Prüm. Ausschlag gebend für die vor über 15 Jahren erfolgte förmliche Unterschutzstellung des Gebietes waren dessen Großflächigkeit, seine naturnahe Ausprägung und die relative Ungestörtheit der Waldbiotope und des Fließgewässers. Bei wunderschönem Wetter konnte Frau Jacob, zuständige Biotopbetreuerin, deutlich machen, dass das einzigartige Landschaftsbild und die hervorragende Bedeutung des Gebietes als Lebensraum bestimmter Arten wie Wildkatze und Haselhuhn seither durch Biotoppflegemaßnahmen und durch den Vertragsnaturschutz erhalten und entwickelt werden konnten.

Angeführt wurde die "Expedition ins Dreiländereck", so der Trierische Volksfreund, von Landrat Roger Graef und Präsident Dr. Rother, die Geschaffenes präsentierten und zukünftige Aufgaben der Biotopbetreuung umrissen. Der Landrat vertrat die Auffassung, dass Vertragsnaturschutz und Umweltpflege eine Erwerbsquelle mit zunehmender Bedeutung für die Landwirtschaft sein können. Auch der Bauernverbandsvorsitzende Michael Horper betonte, dass der von ihm vertretene Berufsstand großes Interesse an Schutz und Erhalt der Natur habe und zur Zusammenarbeit bereit sei.

Das Liersbachtal

Synergien nutzen: Naturschutz durch umweltverträgliche Landbewirtschaftung im Liersbachtal

Dritte Anlaufstelle der Präsentationsreihe war am 13. Juni 2001 der landwirtschaftliche Betrieb von Johannes und Conni Radermacher in Obliers im Landkreis Ahrweiler. 60 Mutterkühe stehen hier mit ebenso vielen Kälbern ganzjährig auf rund 120 ha Grünland. Da keine externen pflanzlichen oder tierischen Futtermittel zugeführt werden, leben die Kühe artgerecht und gesund auf "Kräuterdiät". Auf den im FUL geförderten Wiesen wächst eine Artenfülle, wie sie noch vor 50 Jahren überall in der Region vorkam, heute allerdings die Ausnahme darstellt. Die Blütenpracht, die durch die umweltschonende Mutterkuhhaltung entstanden ist, bezeichnet Andreas Weidner, zuständiger FUL-Berater und Biotopbetreuer, als "menschliches Kunstwerk".

Präsident Rother stellte fest, dass sich Naturschutz und Landwirtschaft nicht widersprechen, sie sich vielmehr einander bedingen: "Der Naturschutz steht hinter der Landwirtschaft und die Landwirtschaft sollte hinter dem Naturschutz stehen". Aufschlussreich für alle Beteiligten war der informative Gedankenaustausch, der die aktuellen Probleme nicht ausklammerte. Beeindruckend waren die Fahrt mit Trecker und Anhänger vom Hof zu den Betriebsflächen, die von Herrn Weidner geführte Geländebegehung und die im Freien servierte Gulaschsuppe von Frau Radermacher. Die Exkursionsgruppe konnte abschließend feststellen, dass Landwirtschaft und Naturschutz in Obliers eine gute und befruchtende Verbindung eingegangen sind.

Die Greimerather Mulde

Perspektiven entwickeln: Erhaltung der Kulturlandschaft in der Greimerather Mulde

Am 22. August 2001 war die Kulturlandschaft der Greimerather Mulde im Mittleren Ruwertal, Landkreis Trier-Saarburg, Gegenstand des Interesses bei der Geländebegehung, die von der Biotopbetreuerin Dr. Annette Schäfer organisiert worden war. In dem ehemaligen Hunsrückbruch, der seit 1983 als NSG ausgewiesen ist, hat sich durch die extensive Wiesennutzung nach der Beendigung des Torfabbaus eine strukturreiche Kulturlandschaft entwickelt. Die Biotopbetreuung stellt heute in einem abgestuften Pflegekonzept sicher, dass im Panzbruch Moorglöckchen und Sonnentau ihren Lebensraum behalten.Der kaum zugängliche Wildnisbereich, ein Sumpfwald mit oligotrophen Stillgewässern, ist in eine Biotoppflegezone eingebettet, die gelegentlich entbuscht und gemäht werden muss. Bei der Präsentation wurde erstmals die neue Mähraupe von Herrn Patrick Jaskowski, Firma pro natura, eingesetzt, die großflächig nasse und versumpfte Parzellen bodenschonend bearbeiten kann.

Ein wichtiger Partner des Naturschutzes bei der Erhaltung der Kulturlandschaft ist das Naturschutz-Großprojekt "Ruwer und Nebenbäche", das die Projektbetreuerin Frau Annette Haas vorstellte. Um das weitere Austrocknen des Gebietes zu verhindern, werden von der Waldjugend Greimerath unter fachkundiger Anleitung von Herrn Ralf Taubert Staumaßnahmen an ehemaligen Entwässerungsgräben durchgeführt. "Wichtig ist es hervorzuheben, dass es für die Umsetzung der Programme engagierte Leute gibt, die sich das zur eigenen Sache gemacht haben", wurde von Herrn Landrat Dr. Richard Groß hervorgehoben. Herr Dr. Rother konnte nach diesem vielseitigen und interessanten Termin feststellen, dass es auch hier gelungen ist, Werbung für den Naturschutz zu machen.

Die Büchelberger Wiesen

Pflege durch Nutzung: Konsens zwischen Naturnutzern und Naturschützern in Büchelberg

Am 16. September 2003 besuchten Landrat Dr. Fritz Brechtel und Dr.-Ing. Karl-Heinz Rother zusammen mit örtlichen Naturschützern, Bürgern und beteiligten Verwaltungen die Büchelberger Wiesen in Wörth a. Rh. Hier werden Flächen unter Anleitung professioneller Biotopbetreuer gepflegt, um Lebensräume für seltene und vom Aussterben bedrohte Arten zu erhalten.

Landrat Dr. Fritz Brechtel betonte das Motto �Pflege durch Nutzung�, das seit mehr als 10 Jahren vorbildhaft in Büchelberg umgesetzt wird. Herr Dr. Rother hob den anzustrebenden Konsens zwischen Naturnutzern und Naturschützern hervor, der die Partner auf gleicher Augenhöhe agieren lässt. Zwei landesweite Instrumente sind dabei wichtig: Die Biotopbetreuung und das Förderprogramm Umweltschonende Landbewirtschaftung (FUL). Für die Biotopbetreuung im Landkreis Germersheim ist der Diplom-Biologe Matthias Kitt zuständig. Er führte die Anwesenden durch das Gelände und zeigte gepflegte Streuobstwiesen und verbuschte Bereiche. Letztere sollen mit Hilfe der Grundstücksbesitzer in nutzbare Flächen umgewandelt werden. Landrat Dr. Brechtel, der als Biologe vor einigen Jahren selbst Mitarbeiter des Landesamtes war, fand bei dem Rundgang durch die Wiesen eine Gottesanbeterin und erklärte, dass die Südpfalz das nördlichste Gebiet ist, in dem dieses Insekt vorkommt. Im Landkreis standen 2003 für die gesamten Biotopbetreuungsmaßnahmen 70.000 � zur Verfügung. Damit konnten rund 150 Hektar gepflegt oder naturnah bewirtschaftet werden. Die Maßnahmen betrafen sowohl landwirtschaftliche Nutzflächen in Büchelberg, aber auch Feucht- und Nasswiesen in der Rheinniederung, auf denen unter anderem Lebensräume bedrohter Amphibienarten erhalten werden.

Für das FUL-Programm ist Dr. Peter Keller als Berater zuständig. Er erläuterte die finanzielle Förderung im FUL und betonte, dass die Nutzung des Geländes über mehrere Jahre gesichert sein muss, da ansonsten wieder Verbuschung oder Verbrachung drohen. Vor allem die Goldrute breitet sich auf ungenutztem Gelände sehr schnell aus. Andererseits ist die Natur hier so reichhaltig, dass nach nur wenigen Jahren konsequenter Pflege wieder Orchideen wachsen.

In der Gemarkung Büchelberg befinden sich bereits fünf Hektar Wiesen im Grünlandextensivierungsprogramm und es sollen in den kommenden Jahren mehr hinzu kommen. Während des Rundgangs zeigte sich, dass bei den ortsansässigen Grundstücksbesitzern noch Fragen offen sind. So fehlt zum Teil die Aufklärung über bestehende Fördermöglichkeiten. Für ältere Menschen mit Streuobstwiesen beispielsweise reicht es nicht aus, finanziell gefördert zu werden. Sie bräuchten Arbeitskräfte zur Sanierung vergreister Bäume.Weitere Probleme bestehen in der ungleichen Behandlung von Landwirten und Privatleuten bei der steuerlichen Entlastung für Nutzfahrzeuge. Als ungerecht wird von den ortsansässigen Wiesenbesitzern empfunden, dass die Biotopbetreuung dort arbeitet, wo sich niemand um das Gelände kümmert.

Die Unterstützung aus der Bevölkerung für die verschiedenen Initiativen auf Kreis- und Landesebene ist aber auf jeden Fall gegeben. Die weiteren Aussichten für den Erfolg der Biotopbetreuer sind gut, denn die Wiesen liegen inmitten des Naturschutzgroßprojektes Bienwald.

Der Ortstermin ergab wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Vertragsnaturschutzprogramme und der Biotopbetreuung und ermöglichte den Bürgerinnen und Bürgern den Einblick in den Alltag der Naturschutzarbeit. Die Diskussionen vertieften das gegenseitige Verständnis und die kooperative Zusammenarbeit, die wesentliche Voraussetzungen für den Erfolg der Biotopbetreuung sind.