Radiometer misst in Koblenz Wettereinfluss auf Luftschadstoffe

Mit dem landesweit zweiten Mikrowellenradiometer misst das LfU seit wenigen Tagen auf dem Dach des Hauptjustizgebäudes in Koblenz den Wettereinfluss auf die Luftschadstoffe.

Bereits seit 2018 betreibt das Landesamt für Umwelt (LfU) ein solches Messgerät in der Landeshauptstadt Mainz. Das Radiometer misst die Temperatur bis in 1000 Meter Höhe. „Mit den Vergleichswerten aus Koblenz ist es uns nun möglich, unterschiedliche Schadstoffwerte in beiden Städten genauer zu erklären“, sagt LfU-Abteilungsleiter Markus Willeke. Der Temperaturverlauf mit der Höhe bestimmt, ob und bis in welche Höhe die bodennahen Emissionen durchmischt werden können.

Das LfU betreibt landesweit 26 Luftmessstationen seines Zentralen Immissionsnetzes (ZIMEN), unter anderem in allen größeren Städten. Neben der Landeshauptstadt weisen Koblenz und Ludwigshafen wegen der hohen Verkehrsbelastung und der dichten Besiedlung landesweit die höchsten Luftschadstoffwerte auf. „Für Koblenz als zweiten Standort haben wir uns entschieden, weil die meteorologischen Bedingungen in Mainz und Ludwigshafen relativ ähnlich sind. Das Radiometer in Koblenz liefert uns daher einen höheren Erkenntnisgewinn“, erläutert Willeke.

Die Radiometermessungen können im Internet angesehen werden unter: https://luft.rlp.de/de/umweltmeteorologie/radiometer/

Dabei können auch Laien anhand eines Ampelsystems auf den ersten Blick erkennen, wie der Wettereinfluss auf die Schadstoffmessungen ist. Die Ampel zeigt auf einen Blick, ob die meteorologischen Voraussetzungen für die Luftqualität gut (grün), mäßig (gelb) oder schlecht (rot) sind.

Hohe NO2-Werte sind über das Jahr verteilt immer wieder festzustellen. Gerade in den Abend- und Nachtstunden können sich stabile Situationen ausbilden, bei denen sich die Luft nach Sonnenuntergang am Boden abkühlt und sich nicht mehr mit den wärmeren Luftschichten oberhalb durchmischt. Kalte Luft ist schwerer als warme Luft und verbleibt somit am Boden. Es bilden sich häufig so genannte Inversionswetterlagen aus, die oftmals ein paar Stunden oder auch tagelang, wie Ende Oktober 2022, andauern können.

 Eine Inversion, bei der es am Boden kälter ist als in höheren Luftschichten, führt zur Unterbrechung des vertikalen Luftaustausches. Die wärmeren Schichten wirken dann regelrecht als Sperrfläche. Die Schadstoffe reichern sich somit bodennah an und es kommt zu erhöhten Konzentrationen. Das NO2 des Verkehrs verflüchtigt sich dadurch nicht so schnell, sondern verbleibt eine Weile in Bodennähe – auch wenn weniger Verkehr fließt.